Als vor etwas mehr als 20 Jahren die erste MAYDAY in Berlin stattfand, hat sich, so belegen die Aussagen der Vielen, die damals dabei waren, niemand denken können, was sich daraus entwickeln sollte! Aus einer reinen Party wurde die Mutter aller Raves, aus einer belächelten Jugendkultur – den Raves – wurde über die Jahre einer der größten kulturellen Exporte Deutschlands. Das Raven „around the world“ ist also „Made in Germany“ oder genauer „Made at MAYDAY”.
Wie manch andere Jugendkultur hat sich auch die des Ravens über die Jahre nicht nur massiv verbreitet, sondern wurde auch anderen nationalen Gegebenheiten angepasst. Besonders deutlich wird das in den Vereinigten Staaten. Dort ist nicht mehr nur die Musik der Mittelpunkt, sondern die Veranstaltung und die Aktionen drumherum. Hierzulande hingegen haben wir es uns bewahrt, die Musik in den Mittelpunkt zu stellen; den Spirit des Raves weiter zu leben! Das „Klassentreffen“ dieser Kultur findet dabei Jahr für Jahr in den Dortmunder Westfalenhallen statt.
Nach dem 20sten Jubiläum im vergangenen Jahr hatte die MAYDAY sich in diesem Jahr mit einem Blick auf die Entwicklung der Rave-Kultur „Made in Germany“ auf die Fahnen geschrieben und sich auch bei der Zusammenstellung des Line-Ups auf die deutsche Szene besonnen und damit eine gute Mischung aus internationalen Größen wie Carl Cox, Chris Liebing oder Sven Väth sowie eher national bekannten Acts wie Karotte oder dem Kollektiv Turmstraße gefunden. Ergänzt wurde das Line-Up auch in diesem Jahr um die Vertreter aus den ersten Jahren der MAYDAY, die gemeinsam den Twenty Young Dome zu einem der Siedepunkte der diesjährigen MAYDAY machten.
Die Arena – Herzstück und Zentrum der Mayday
Die Westfalenhalle 1 ist legendär! Nicht nur wegen der MAYDAY, aber wohl auch wegen ihr. Mit ihren Sitzrängen passt sie dabei eigentlich gar nicht zu einem Rave wie es die MAYADY ist sondern wohl eher zu einem Konzert oder einer Show wie Wetten, dass. Genau diese Kombination einer teilbestuhlten Halle, feierwütigen Ravern und einer 380.000 Watt starken Soundanlage aber macht die ganze besondere Atmosphäre dieses Floors aus. Untermalt von einer gewaltigen Lichtinstalation und 17 Lasersystemen wurden hier in 18 Stunden nicht nur unzählige Paar Schuhe verschlissen, sondern auch zahlreiche „massive Moments“ geboren. Einer dieser unverwechselbaren Mayday-Momente war dabei für viele mit Sicherheit als ATB im letzten Drittel seines sonst sehr progressiven Sets mit „Du hast mich“ von Rammstein nicht nur für Ekstase und Eskalation, sondern auch für viele verwunderte Blicke sorgte. Ein anderer war natürlich die Performance der Members of Mayday. Begleitet von einer überwältigenden Light-Show und untermalt von zahlreichen Pyro-Effekten stand auch hier wieder der Raver an sich im Mittelpunkt. Kein DJ, kein Star, kein Künstler, sondern die Besucher und die Musik bildeten hier die größtmögliche Einheit aus überwältigen Emotionen und dem unbedingten Willen weiter zu tanzen. Begleitet von teils ohrenbetäubenden „MAYDAY, MAYDAY“-Rufen ist die MAYDAY spätestens jetzt an ihrem Siedepunkt angekommen.
Das Empire – Brachialer Sound und deutscher Techno
Auch wenn das Empire im Vergleich zum vergangenen Jahr etwas kleiner daher kahm (der Twenty Young Dome fand in der selben Halle seinen Platz) stand es der Arena auch in diesem Jahr in Nichts nach. Mit einer perfekt abgestimmten 290.000 Watt starken Soundanlage, 135 Moving-Lights und 234 qm an Projektionsfläche war hier von den Floor-Designern wieder die perfekte Symbiose aus überwältigendem Sound, der brachial daher kam, gleichzeitig aber nicht so laut war, dass man sich nicht noch irgendwie hätte verständigen können, und einer Lichtinstallation, die den Sound der Halle perfekt zu begleiten wusste. Geleitet von technoiden Klängen dauerte es hier nicht lange, bis man selbst in eine Art Trance verfiel und sich ganz der Musik von so großartigen Acts wie Sven Väth, Chris Liebing oder Carl Cox hingab.
Die Factory – Tempel der Harder Styles
Nach dem Comeback der harten Styles auf der MAYADY findet die Factory von Jahr zu Jahr mehr Zuwachs und läuft Gefahr, irgendwann aus ihrer Halle herauszuwachsen. Doch nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten Blick gehört gerade auch dieser Floor zur MAYDAY, obwohl die härteren Styles weniger in Deutschland als in unseren Nachbarländern ihre absoluten Hochburgen haben. Wie hart deutsche Musik trotzdem seien kann bewiesen in dieser erneut legendären Nacht auf den 1. Mai unter anderem die Brachialen Musikgestalter, die erstmals in der Factory die Crowd in einen wahren Rausch versetzten. Für den massivsten MAYDAY-Moment dieses Floors sorgten aber wohl Rotterdam Terror Corps mit einer Special live Performance, die die Westfalenhallen beben ließ!
Das Mixery Casino – House-Beats fernab jeder Stylegrenze
Das „Casino“ ist noch immer eine Hommage an die Entstehungszeit der House-Musik und tritt mit seinem Floor-Design auch gewollt und bewusst in die Fußstapfen jener Zeit. Musikalisch hingegen war hier von altem oder gar angestaubtem Sound nichts zu hören. Vielmehr wurde hier die gesamte Vielfältigkeit der House-Styles fernab des Bigroom-House geboten. Von leicht und tanzbar bis zu durchaus schwerer Kost war hier mit Acts wie Dominik Eulberg, Monika Kruse oder Karotte die in den Großraumdiskotheken verloren gegangene stil- und niveauvolle Schiene der House-Szene zugegen. Dass dabei gerade diese nicht in erster Linie von kommerziellen Hintergedanken und monetären Zwängen geprägte House-Schiene ihren kommerziellen Gegenstücken mehr als gleichwertig ist, zeigte der durchweg gut gefüllte Floor und die überragend gute Stimmung der Acts und Raver vor und nach den Sets.
„House, das hat sich hier einmal mehr bestätigt, ist mehr, als nur das Bigroom-Geflärre von Avicii, Klaas und Co“.
Der Twenty Young Dome – Garant für Gänsehautmomente
Mit dem Twenty Young Dome hatten die Veranstalter im letzten Jahr eine weitere Vergrößerung der MAYDAY gewagt. Die Tracks der ersten Jahre, so war die Intention der Veranstalter, sollten ihren Weg zurück zur Mutter aller Raves finden und damit auch das Gesamtbild der MAYDAY als Innovativster alles Raves festigen, ohne dabei die eigene Vergangenheit aus den Augen zu verlieren. Nach dem Erfolg des letzten Jahres blieb dieser fünfte Floor auch in diesem Jahr ein Bestandteil der MAYDAY, wurde aber erstmal etwas verkleinert um abzuwarten, ob das Konzept auch weiterhin ankommt, denn vor allem für viele junge Anhänger der elektronischen Tanzmusik strahlen die alten Tracks und Classics nicht jene Magie aus, wie sie es für diejenigen tuen, die damit aufwuchsen. Doch dass gerade diese Titel und Stilrichtungen ein essentieller Bestandteil der MAYADY waren und immer noch sind, zeigte sich nicht nur in der durchgehenden Ekstase, sondern auch und ganz besonders anhand der Menge der Raver, die den Floor bis zum Ende buchstäblich aus allen Nähten platzen ließen.
Wie groß die Rave Kultur in Deutschland, ihrem Mutterland, noch immer ist, konnte auf der MAYDAY auch in diesem Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden. Denn obgleich die Kultur der elektronischen Musik in den Medien wenig Anerkennung findet und weitestgehend nur für negative Schlagzeilen und „Bad News“ herangezogen wird, fanden sich auch in diesem Jahr wieder 25.000 Menschen in den Westfalenhallen ein, um ihrer Liebe zur elektronischen Musik zu frönen. Die Rave-Kultur, so zeigte sich in dieser Nacht aufs Neue, ist etwas ganz Besonderes, etwas absolut Positives, etwas, das zu Deutschland gehört und als solches auch gelebt werden sollte.
Let the media talk, go out and celebrate your music, show your passion and prove them wrong!







