Landtagswahlen am 27.03.2011

Am vergangenen Sonntag waren die Sachsen-Anhalter dazu aufgerufen, ihr neues Landesparlament zu wählen, exakt sieben Tage später werden die Bewohner von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zum Urnengang gebeten. Damit ihr bereits vor der Wahl bestens über alles informiert seid, haben wir die letzten Umfragen für beide Bundesländer analysiert:

Baden-Württemberg: Fotofinish im Kernland der CDU
Während der Proteste gegen Stuttgart 21 zeigte sich im politischen Stimmungsbild erstmals in der bundesdeutschen Geschichte eine Mehrheit für eine Regierungskoalition unter grüner Führung, anschließend konnten sich CDU und FDP jedoch deutlich erholen, sodass es am kommenden Sonntag zu einer Kopf-an-Kopf-Entscheidung kommen wird. Gelingt es den Grünen, die im Zuge der Reaktorkatastrophe von Fukushima noch einmal einen Schub in den Umfragen erhielten, im Landtag zweitstärkste Kraft zu werden, droht der CDU in ihrem Kernland der politische Super-GAU. Nicht nur, dass in der aktuellsten Umfrage eine grün-rote Koalition die absolute Mehrheit hätte, sondern vielmehr auch, dass die Koalition gemäß dieser Umfragen unter grüner Führung stehen würde, macht den Christdemokraten zu schaffen. Schließlich regieren sie in Baden-Württemberg seit etwa 60 Jahren.

Die wichtigsten Kandidaten:

Stefan Mappus (CDU)
wurde am 4. April 1966 geboren und ist seit dem 10. Februar 2010 Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Mappus absolvierte an der Universität Mannheim das Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, welches er als Diplom-Ökonom abschloss.
Politisch begann Mappus' Kariere mit dem Eintritt in die Junge Union 1983 und zwei Jahre später in die CDU. Er war von 1994 bis 2010 Kreisvorsitzender der CDU Enzkreis/Pforzheim. Von 2005 bis 2009 stellvertretender Landesvorsitzender in Baden-Württemberg und wurde anschließend Landesvorsitzender. Seit 1996 hat Stefan Mappus auch das Direktmandat für den Landtagswahlkreis Pforzheim inne.

Nils Schmid (SPD)
wurde am 11. Juli 1973 in Trier geboren und ist seit 2009 Landesvorsitzender der SPD in Baden-Württemberg. Schmid studierte an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen Rechtswissenschaften und ist seit 2001 als Rechtsanwalt zugelassen.
Schmid ist seit 1991 Mitglied der SPD und war zwischen 1996 und 1998 stellvertretender Landesvorsitzender der JuSos in Baden-Württemberg. Er gehört seit 1993 dem Kreisvorstand der SPD in Esslingen an, seit 1999 ist Niels Schmid Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Nürtingen. 2009 wurde Schmid auf dem Landesparteitag der SPD in Karlsruhe mit 88,63 Prozent der Stimmen zum Landesvorsitzenden der SPD in Baden-Württemberg gewählt.

Winfried Kretschmann (Die Grünen) wurde am 17. Mai 1948 geboren und ist Mitglied des Landesparteirats der Grünen. Kretschmann hat nach dem Abitur an der Universität Hohenheim Biologie und Chemie auf Lehramt studiert und legte 1977 das Staatsexamen ab. Nach dem Studium trat er eine Stelle als Gymnasiallehrer für Biologie, Chemie und Ethik an.
Kretschmann wirkte 1979/80 bei der Gründung der Grünen Baden-Württemberg mit und wurde bereits 1980 erstmals in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt. Von 1985 bis 1986 war Kretschmann unter Umweltminister Joschka Fischer Grundsatzreferent in Hessen. 2002 wurde er zum Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg gewählt und war bereits 2006 Spitzenkandidat seiner Partei.

 

Wenn am Sonntag Landtagswahl in Baden-Würtemberg wäre…
CDU 38 %
SPD 22 %
Die Grünen 25 %
FDP 6 %
Die Linke 4 %
Sonstige 5 %

 

Mögliche Koalitionen: (Absolute Mehrheit:  46 %)
Große Koalition (CDU / CSU und SPD) 60 %
Rot-Grün (SPD und Grüne) 47 %
Schwarz-Grün (CDU / CSU und Grüne) 63 %
Rot-Gelb-Grün (SPD, FDP und Grüne) 53 %

Rheinland-Pfalz: Die Grünen als Königsmacher
Neben dem Landtag von Baden-Würtemberg wird am kommenden Sonntag auch in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. Anders als im Kernland der CDU jedoch regiert in Rheinland-Pfalz seit 1991 die SPD, seit 1994 unter Ministerpräsident Kurt Beck, der bei der letzten Landtagswahl 2006 mit der SPD sogar die absolute Mehrheit erreichte. Im Gegensatz zum Bundestrend liegt die SPD zwar noch immer deutlich jenseits der 30 Prozent Marke, wird aber aufgrund der wiedererstarkten Grünen die absolute Mehrheit nicht erneut erreichen, sondern zukünftig wohl an der Spitze einer rot-grünen Landesregierung stehen, denn diese werden nach der Landtagswahl als Königsmacher da stehen und sowohl mit der SPD als auch mit der CDU regieren können.

Die wichtigsten Kandidaten:

Kurt Beck (SPD)
wurde am 5. Februar 1949 geboren und ist seit 1994 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und damit der am längsten amtierende Ministerpräsident in Deutschland. Beck absolvierte zwischen 1963 und 1968 eine Ausbildung zum Elektromechaniker und trat 1968 der heutigen ver.di bei.
Beck trat 1972 in die SPD ein und wurde 1974 Mitglied des Kreistags Südliche Weinstraße gewählt, 1989 wurde er zum Ortsbürgermeister von Steinfeld gewählt. Beide Ämter legte er im Zuge seiner Wahl zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz nieder. Seit 2003 war Kurt Beck unter Gerhard Schröder, Franz Müntefering und Matthias Platzeck stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD und zwischen 2006 und 2008 Bundesvorsitzender.

Julia Klöckner (CDU)
wurde am 16 Dezember 1972 geboren und ist seit dem 25. September 2010 Landesvorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz. Nach dem Abitur studierte sie Politikwissenschaft, katholische Theologie und Pädagogik. 1998 schloss sie das Studium mit dem Staatsexamen für Lehramt an Gymnasien in den Fächern Sozialkunde und Religion sowie dem Magister Artium ab. Von 1998 bis 2002 war Klöckner freie Mitarbeiterin beim SWR-Fernsehen sowie von 2001 bis 2009 Chefredakteurin des Sommelier-Magazins.
Klöckner trat 1996 der Jungen Union, der Frauen Union sowie der CDU bei und war 2001 bis 2007 Mitglied des Kreisvorstandes der Jungen Union Bad Kreuznach. 2002 wurde sie in über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Deutschen Bundestag gewählt und war dort unter anderem Stellvertretenden Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der Jungen Gruppe der CDU / CSU-Bundestagsfraktion. Auf Landesebene wurde Klöckner 2009 als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2011 vorgeschlagen und vom CDU-Landesparteitag 2011 mit 99,5 Prozent der Stimmen als solche gewählt.

 
Wenn am Sonntag Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wäre…
CDU 34 %
SPD 37 %
Die Grünen 14 %
FDP 6 %
Die Linke 4 %
Sonstige 5 %

 

Mögliche Koalitionen: (Absolute Mehrheit:  46 %)
Große Koalition (CDU / CSU und SPD) 71 %
Rot-Grün (SPD und Grüne) 51 %
Schwarz-Grün (CDU / CSU und Grüne) 48 %
Rot-Gelb-Grün (SPD, FDP und Grüne) 57 %

[Zweitveröffentlichung, zuerst veröffentlicht am 23.03.2011 unter "Landtagswahljahr 2011 - Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz" auf TechnoBase.FM von Florian Lillpopp.]

I hoped it was a dream!

Am 28. Oktober dieses Jahres beschloss die Bundesregierung aus Union und FDP die Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke um mindestens acht weitere Jahre. Dass der Beschluss des Deutschen Bundestages bei der Bevölkerung nicht auf all zu viele geöffnete Ohren stößt, zeigen die immer häufiger stattfindenden Demonstrationen gegen die Energiepolitik der Bundesregierung.

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, als die Regierungskoalition in der Bundestagssitzung des 28. Oktober 2010 gegen den Widerstand der Opposition im Parlament, und gegen den Willen der deutschen Bevölkerung die Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke durchsetzte. Als die Union nach der bis dato größten Anti-Atomkraft-Demo in Berlin von einer schweigenden Mehrheit die nicht Demonstrieren würde redete gab es jedoch bereits verlässliche Zahlen, die eine deutliche Mehrheit gegen eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomreaktoren in der Bevölkerung zeigen. 68 Prozent der Deutschen sind gegen das, was die Bundesregierung am 28. Oktober beschlossen hat. 35 Prozent der Deutschen wollen gar das Gegenteil, eine Verkürzung der Laufzeiten.

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, dass die Bundesregierung sich zugunsten von einigen Konzernen gegen die Mehrheit des Volkes stellt, doch es ist Realität.

 

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, als die Regierungskoalition alle demokratischen Spielregeln über Bord warf, nur um ihren Willen so schnell wie möglich durchsetzen zu können. Am Vortag der Parlamentsdebatte am 28. Oktober lehnte die schwarz-gelbe Mehrheit im Energieausschuss des Bundestages „jenseits von Recht und Gesetz“ sowie, der Geschäftsordnung die Änderungsanträge der Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen ab. Hier zeigt sich die klare Prämisse dieser Regierung, die nur dann mit einer Stimme zu sprechen vermag, wenn es um die Interessen von Konzernen geht.

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, dass die Bundesregierung sich zugunsten von einigen Konzernen gegen die demokratischen Spielregeln stellt, doch es ist Realität.

 

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, als die Regierungskoalition im Bundestag mit ihrem Gesetz zur Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke die Verfassung unserer Republik mit den Füßen trat. Mit der Entscheidung den Bundesrat bei im Gesetzgebungsprozess zur  Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke außen vor zu lassen, hat die Bundesregierung schon vor der Entscheidung des Bundestages am 28. Oktober klar gezeigt, dass sie die Verfassung dieser Republik nur peripher tangiert. Dass das Übergehen des Bundesrates in dieser Frage mit der Verfassung nicht vereinbar ist, hatte zuletzt Prof. Dr. jur. habil. Alexander Roßnagel in einem von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen beauftragten Gutachten festgestellt.

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, dass die Bundesregierung sich zugunsten von einigen Konzernen gegen die Verfassung dieses Landes stellt, doch es ist Realität.

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, als die Regierungskoaltion im Bundestag beschloss, die 17 deutschen Atomkraftwerke für mindestens acht weitere Jahre am Netz zu lassen. Der drittälteste Kraftwerkspark der Welt ist nach Meinung der Bundesregierung auch der sicherste seinesgleichen, doch das dem nicht so ist, musste auch Wolfgang Schäuble, zu der Zeit Bundesinnenminister, zugeben. Gegen einen Angriff aus der Luft ist kein deutsches Atomkraftwerk sicher, und auch die 100 bis 200 Störfälle pro Jahr, die in deutschen Kernkraftwerken passieren, stellen ein klares Sicherheitsrisiko da, schließlich kann jeder von ihnen den, „worst case“ einen GAU verursachen.

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, dass die Bundesregierung sich zugunsten von einigen Konzernen gegen die Sicherheit des deutschen Volkes stellt, doch es ist Realität.

 

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, als die Bundesregierung im Bundestag beschloss, die 17 deutschen Atomkraftwerke für mindestens acht weitere Jahre am Netz zu lassen, obwohl die Betreiberkonzerne dadurch deutlich mehr an Kapital akquirieren, als sie im Falle eines GAUs jemals zahlen müssten. § 13 Absatz 3 des deutschen Atomgesetzes legt die maximale Haftungssumme für die Konzerne im Falle eines GAUs auf 2,5 Milliarden Euro fest, doch hat zuletzt eine Studie in der Schweiz gezeigt, dass ein solcher GAU einen Gesamtschaden in Höhe von 4.000.000.000.000 Franken (umgerechnet rund 3.000.000.000.000 Euro (3.000 Milliarden Euro)) verursachen würde. Tragen müsste das schlussendlich das deutsche Volk. Profitieren tun von der Atomkraft aber hauptsächlich die vier großen Konzerne, e.on, Vattenfall, RWE und enBW. Die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke spült den Konzernen an jedem Tag, an dem die Kernkraftwerke länger laufen zwischen einer und zwei Millionen Euro in die Kasse.

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, dass die Bundesregierung sich zugunsten von einigen Konzernen gegen die Interessen des deutschen Volkes stellt, doch es ist Realität.

 

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, als die Bundesregierung im Bundestag beschloss, die 17 deutschen Atomkraftwerke zur Sicherung des Energiebedarfes für mindestens acht weitere Jahre am Netz zu lassen, obwohl wir schon heute auf die sieben ältesten Reaktoren komplett verzichten könnten. Gezeigt hat sich dies bereits in den letzten beiden Jahren, als Deutschland trotz des Ausfalls von 7 der 17 deutschen Kernkraftwerke noch massiv Strom exportiert hat. Sogar das Umweltbundesamt und das Bundeswirtschaftsministerium haben bestätigt das abgeschaltete Atomkraftwerke durch Erneuerbare Energien, Stromsparen und Kraft-Wärme-Kopplung ersetz werden können.

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, dass die Bundesregierung sich zugunsten von einigen Konzernen gegen eine energetisch saubere Zukunft stellt, doch es ist Realität.

 

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, als die Bundesregierung einen aufgrund von Unfähigkeit bei Vattenfall entlassenen Atommanager damit beauftragte, die Sicherheit des zum Endlager auserkorenen Forschungsbergwerkes in Gorleben beurteilen. Bruno Thomauske wurden von Vattenfall wegen gefährlicher Zwischenfälle in den Kernreaktoren Krümmel und Brunsbüttel sowie wegen schlechter Informationspolitik entlassen. Die Bundesregierung aus CDU, CSU und FDP hat ihn nun damit beauftragt, die Sicherheit des Forschungsbergwerkes zu analysieren. Bestmögliches Ergebnis, sowohl für Dr. Thomauske, der nebenbei einen von RWE geförderten Lehrstuhl an der Technischen Hochschule in Aachen innehat, als auch für die Bundesregierung ist natürlich, dass das Forschungsbergwerk sicher und als Endlager geeignet ist. Dass die Bevölkerung seit Jahrzehnten dagegen auf die Straße geht, spielt keine Rolle.

Ich hoffte, es wäre nur ein Traum, dass die Bundesregierung sich zugunsten von einigen Konzernen gegen die eigene Bevölkerung stellt, doch es ist Realität.

Ich habe einen Traum, dass ich eines Morgens erwache und feststelle, dass all dies nur ein schlechter Traum war.